TI Voyage 200 übertakten

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Im folgenden Artikel möchte ich beschreiben, wie man den Taschencomputer Voyage 200 PLT von Texas Instruments mit relativ geringem Arbeits- und Kostenaufwand übertakten und dadurch seine Rechenleistung erhöhen kann.

Hintergrund der Idee, den Rechner zu übertakten ist die Tatsache, dass er alles andere als “up to date” ist. Die Hardware ist von 2002 und die aktuellste Software wurde im Jahr 2005 veröffentlicht. Gerade bei komplexeren Berechnungen und vor allem beim Zeichnen von Graphen benötigt der Rechner mitunter sehr lange zur Verarbeitung des Befehls.

Abhilfe schafft an dieser Stelle eine Übertaktung der zentralen Recheneinheit oder CPU. Diese ist von außen unter anderem mit einem Kondensator beschaltet, der Teil eines Schwingkreises und damit des Taktgebers der CPU ist. Durch Verändern dieses Kondensators kann man direkten Einfluss auf die Taktfrequenz des Prozessors nehmen. Gemäß der unten stehenden Gleichung für die Frequenz eines Schwingkreises kann man nun einen passenden Wert für den Kondensator ausrechnen.

Für die Kapazität des Ersatzkondensators für den ursprünglich 47 Pikofarad großen Kondensator haben sich in der Praxis Werte zwischen 10pF und 22pF bewährt. Daraus resultiert eine Vergrößerung der Frequenz um 50% bis 100% im Gegensatz zum Ursprungszustand. Ich habe bei mir einen Kondensator mit einer Kapazität von 22 Pikofarad eingebaut, da ich sicher gehen wollte, dass der Rechner nachher noch ordnungsgemäß arbeitet und nicht zu hoch getaktet ist. Ich empfehle Ihnen zunächst einen größeren Wert für C zu nehmen und sich bei Bedarf nach und nach an die maximal möglichen Frequenz heranzutasten.

Beim entsprechenden Kondensator handelt es sich um den Kondensator C9 in SMD-Bauform 0805, die Abmessungen betragen also gerade einmal 2mm x 1,2mm. Er befindet sich rechts neben dem Prozessor und ist auf dem folgenden Bild hervorgehoben. Um sicherzustellen, dass es sich um den richtigen Kondensator handelt, sollte man überprüfen, ob auch wirklich die Markierung C9 in unmittelbarer Nähe auf die Platine gedruckt ist.

Ansicht bei geöffenetem Gehäuse. C9 ist vergrößert dargestellt. (Bild: www.mydarc.de)

Hat man den richtigen Kondensator gefunden, kann er durch ein neues Exemplar ersetzt werden. Passend wäre beispielsweise dieser Kondensator. Somit belaufen sich die Kosten für den Umbau auf gerade einmal 6 Cent.
Alternativ kann man auch einen Trimmer verbauen, sodass man die Frequenz variabel einstellen kann. Ein solcher Trimmer eignet sich auch hervorragend für das Ausloten des Maximums der Frequenz.

Abschließend stellt sich natürlich die Frage was die Übertaktung in der Praxis bringt – Einiges! Mithilfe einiger kleiner Benchmark-Programme haben wir die prozentuale Steigerung der Rechenleistung bestimmt und sind auf einen Wert von 60% gekommen. Das Ergebnis deckt sich also relativ gut mit dem theoretisch bestimmten Wert. Weiterhin macht sich der Leistungszuwachs auch in allen anderen Anwendungen auf dem Taschenrechner bemerkbar, besonders dort, wo der Rechner im Normalfall sehr lange rechnen würde.

Die Arbeiten sollten nur durchgeführt werden, wenn man eine gewisse Übung im Umgang mit SMD Bauteilen hat. Andernfalls kann es schnell passieren, dass man Bauteil und/oder Platine zerstört. Für eventuelle Schäden übernehme ich keine Haftung.

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2 Kommentare zu "TI Voyage 200 übertakten"

  • Tobias Thie sagt:

    Nettes Tutorial,
    darf man den TI denn vielleicht nachher noch in der Schule weiterverwenden?
    Wäre sonst ziemlich schade, da wir den in der Schule noch fast täglich brauchen.

    LG Tobias

    • Lukas Bommes sagt:

      Danke dir. ;)
      Nach der Übertaktung darfst du den TI nicht mehr für Klausuren verwenden, da als zur Verfügung stehendes Hilfsmittel lediglich der TI Voyage 200 im Originalzustand genannt wird. Da der TI nach dem OCen nicht mehr im Originalzustand ist, darf man ihn auch nicht mehr verwenden. Du kannst natürlich einen Schalter einbauen, mit dem du zwischen Normaltakt und höherer Taktung hin- und herschalten kannst. Dann bleiben einfach beide Kondensatoren im Rechner und mit dem Schalter schaltest du zwischen dem Originalkondensator und dem neuen Kondensator um. Da ich das allerdings noch nicht getestet habe, weiß ich nicht, ob das gut funktioniert.