Letzter Shuttle-Flug erfolgreich beendet

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Pünktlich um 5:57 Uhr Ortszeit Florida setzte die Raumfähre Atlantis nach ihrem Versorgungsflug zur Internationalen Raumstation und 200 Erdumkreisungen auf. Das Nasa-Raumfährenprogramm ist damit beendet, noch bevor ein nachfolgendes Transportsystem einsatzbereit ist.

Dreißig Jahre lang prägten die Orbiter die Aktivitäten der bemannten Raumfahrt – beschränkt auf eine niedrige Erdumlaufbahn. Insofern ist der Begriff Spaceshuttle und die technische Kategorie „orbiting vehicle“ zutreffend, denn ein tatsächliches Raumschiff, das die Weiten des Alls zumindest in Ansätzen bezwingen kann, waren die Raumfähren in der Tat nicht. Sie waren Zubringer, und ohne sie würde es die ISS in ihrer heutigen Form nicht geben.

Am 12. April 1981 hatte die Columbia, bemannt nur mit Kommandant und Pilot, diese Ära eingeläutet, als Shuttleflug STS-1. „Es ist das großartigste Fluggerät der Welt,“ schwärmte Rekord-Astronaut John Young, der neun Jahre zuvor mit Apollo-16 auf dem Mond war, nach dem Jungfernflug. Knapp zweieinhalb Jahre später hatte er mit STS-9 seinen sechsten und letzten Einsatz. Mit an Bord: das Spacelab auf dessen Jungfernflug und, als ersten nicht-amerikanischen Shuttle-Astronauten, Ulf Merbold, der 1992 mit der Discovery seinen zweiten Einsatz absolvierte. Er denkt mit einer gewissen Wehmut zurück: „Jeder, der seinen Körper und sein Leben einem solchen Fahrzeug anvertraut hat, baut eine gefühlsmäßige Bindung dazu auf.“

Das Vertrauen in die Raumfähren wurde gleich zweimal von Katastrophen erschüttert: Die Challenger explodierte 1986 eine Minute nach dem Start und die Columbia brach 2003 bei der Landung auseinander als Folge von Schäden, die ihr Hitzeschild beim Start erlitten hatte. Beide Ereignisse, bei denen die jeweils siebenköpfige Besatzung ums Leben kam, zogen jahrelange Flugstopps und die Verschärfung der Sicherheitsüberprüfungen nach sich. „Es zeigte in verschiedenen Situationen bemerkenswerte Fähigkeiten, aber die Kosten und die Komplexität des weltweit ersten wiederverwendbaren Weltraumtransportsystems gaben durchgehend Anlass für Kontroversen und Meinungsverschiedenheiten,“ so Roger Launius, früherer Chefhistoriker der Nasa und jetziger Kurator des Smithsonian Air and Space Museum, der künftigen Heimat der Discovery.

Mit Hilfe der Shuttles überbrückten die westlichen Raumfahrtnationen auch die Zeit bis zur Indienststellung der ISS. Mit dem Spacelab, gefertigt unter Leitung des deutschen Hauptauftragnehmers VFW-Fokker/Erno im Auftrag der Esa, ließen sich insgesamt 22 Mal bis 1998 mehrere Tage lang Versuche in der Mikrogravitation durchführen. Hierzulande sind natürlich die Missionen D1 und D2 am besten in Erinnerung. 1985 verbrachten Reinhard Furrer und Ernst Messerschmid sieben Tage an Bord, acht Jahre später experimentierten Ulrich Walter und Hans Schlegel und kamen dabei auf fast zehn Flugtage. Im Vordergrund standen dabei medizinische, biologische und materialwissenschaftliche Fragen.

Auch den Superstar der Astronomie gäbe es nicht ohne die Spaceshuttles: Ende April 1990 setzte die Discovery das Weltraumteleskop Hubble in 611 Kilometern Höhe über dem Erdboden aus, die höchste Umlaufbahn, die ein Orbiter je erreichte. Während insgesamt fünf weiterer Shuttleflüge, der letzte im Mai 2009, machten die Astronauten bei stundenlangen Ausstiegen das Instrument fit für den Dienst, tauschten Geräte gegen weiterentwickelte Instrumente aus und ersetzten defekte oder in die Jahre gekommene Systemkomponenten.

Diese Möglichkeit besteht nun nicht mehr, das Weltraumteleskop ist bis auf weiteres unerreichbar. Auch die bemannten Flüge zur ISS bleiben vorerst den russischen Sojus-Kapseln vorbehalten. Die Besatzungsmitglieder aus den USA, Europa oder Japan haben ihre Sitzplätze bereits auf Jahre reserviert. Wenn erstmals wieder ein US-Schiff andockt, um die Flagge abzuholen, die die Crew der Atlantis dort deponierte, wird es eine kommerzielle Kapsel sein, vermutlich eine Dragon des Raumfahrt-Startups SpaceX. Die Nasa hingegen soll sich nach der Direktive von Barrack Obama aus dem Transportgeschäft zurückziehen um sich wissenschaftlichen Missionen zu widmen, auch bemannten, etwa zu erdnahen Asteroiden, später dann zum Mars.

Somit stellt sich dann vielleicht wieder ein neuer Forschergeist bei der Nasa ein, den viele Experten und auch Ex-Astronauten seit langem fordern. Doch bis diese Dämmerung in der Raumfahrt anbricht und Astronauten die Erdumlaufbahn verlassen, gehen sicherlich noch etliche Jahre ins Land, Jahre, in denen die Relikte der Shuttle-Ära in US-amerikanischen Museen von einer wechselvollen Zeit zeugen.

Quelle: pro-physik.de

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